Unsere Tipps zur Coach-Suche

 

als Fachartikel erschienen: 05.02.2015

auf www.business-wissen.de

 

 

COACH-SUCHE - WAS WIRKLICH ZÄHLT.

 

Worauf sollten Sie als potenzieller Klient oder Auftraggeber bei einem Coach achten? Wann sollten Sie stutzig werden? Expertenrat für die Coachauswahl.

 

Wenn Sie aus geschätzten 8.000 Coaches, die sich in Deutschland mit beruflichen Themen befassen, für sich oder Ihr Unternehmen die passende "Nadel im Heuhaufen" suchen, fahnden Sie nach einem Sparringspartner auf Augenhöhe. Das Kriterium dafür ist nicht - entgegen oft üblicher Praxis - größtmögliche Ähnlichkeit zwischen Coach und Klient (Coachee), da mit der Ähnlichkeit das Risiko der Gewinnminimierung des Coachings wächst. Es muss um Akzeptanz gehen. Ein Coach kann, ähnlich oder nicht, nichts bewirken, ohne ernst genommen zu werden - und ohne die Perspektive und Bewertung seines Klienten ernst zu nehmen. Checken Sie also Indikatoren, die dafür gute Chancen bieten.  

 

Lochblech - Welche Grundanforderungen sollten Sie stellen?

 

1. Akademische Ausbildung oder Abitur mit Berufsausbildung. Da seriöses Coaching eine psychologische Beratungsform ist, ist ein abgeschlossenes Universitätsstudium der Psychologie oder vergleichbar Professionelles eine gute Sache.

 

2. Berufserfahrung nicht nur als Coach, am besten Erfahrung in der Führung und mit unterschiedlichen Systemen und Kulturen (Konzern - Mittelstand, regional - global agierend). Ihr Coach sollte nicht nur theoretisch nachvollziehen können, welche Anforderungen, Spannungen und kritischen Konstellationen das Umfeld, in dem Sie sich befinden, womöglich mit sich bringt. Der Fachausdruck dafür ist "Feldkompetenz". Entsprechend sind Lebenserfahrung und höheres Alter anders zu bewerten als in klassischen Recruitingprozessen. Kaum zu erwarten, dass ein gestandener Klient einen 30-jährigen Coach aus dem Stand respektiert.  

 

3. Coach-Ausbildung. Dreitages-Trainings, Wochenendseminare und dergleichen - häufig sogar mit "Zertifikat" - berechtigen bereits zum Tragen des ungeschützten Titels "Coach", befähigen jedoch noch nicht zum Coachen. Achten Sie auf die Ausbildung bei einem anerkannten Lehrcoach oder Institut. Sie finden Angaben dazu in den Datenbanken der großen renommierten Coachingverbände (z.B. DBVC, dvct, ICF), die auch Coaches zertifizieren. Wer sich dieser Prozedur dort unterzogen hat, darf sich mit Qualitätsanspruch Coach nennen. Informieren Sie sich im Web: coach-datenbank.de von Christopher Rauen, den das Unternehmermagazin "impulse" als Deutschlands führenden Coaching-Experten bezeichnet, gibt Orientierung oder auch - obwohl Coaching alles andere ist als ein Produkt - test.de der Stiftung Warentest. Sie stellt unter "Coach finden" in zwei Teilen gut recherchierte Infos zur Verfügung.  

 

4. Wenn Sie die Homepage Ihres potenziellen Coaches anklicken, achten Sie vor allem auf eines, denn die Websites vieler Coaches wirken bemerkenswert uniform: Was ist die Botschaft, die hinter dem Auftritt liegt? Lohnend ist, zu erspüren, ob die Darstellung auf Erfahrung hinweist, auf Knowhow, Seriosität und - ja, den Verzicht auf Show. Professionelle Coaches zeigen in Ihrer Selbstdarstellung häufig nur ein Minimum an Marketing.  

 

Grobsieb - Was sollte Ihnen der Coach schon im Vorgespräch offenlegen?

 

Das erste Kennenlernen ist bei einem seriösen Coach "for free". Es ist ein Informationsgespräch, idealerweise aus Geben und Nehmen. Ob Sie es als Auftraggeber für einen Klienten oder als Coachee selbst führen, Sie sollten danach über den formalen und zeitlichen Ablauf Ihres Coachingprozesses inklusive Schätzung des Zeitbedarfs informiert sein, ebenso über Honorierung und Rechte aus dem Vertrag, der in einer seriösen Coachingbeziehung unabdingbar ist. Immerhin enthält er meist die Option für Unterbrechung oder Abbruch des Coachings aus gutem Grund.

Ihr potenziellerCoach sollte Ihnen auch eine Art "Gebrauchsanweisung" zu sich selbst geben. Sie sollten wissen, welcher Coachingtradition er sich zuordnet, denn das bestimmt seine ethische Grundhaltung. Im deutschen Sprachraum werden Sie einen guten Teil "systemische" Coaches (1) antreffen, die sich als neutrale Instanz verstehen. Ohne Partei zu ergreifen, klären sie gemeinsam mit Auftraggeber und Coachee (falls es sich nicht um ein und dieselbe Person handelt) das Ziel ihres Einsatzes und sind dann für den Klienten als "Helfer zur Selbsthilfe" da. Aus dem angelsächsischen Sprachraum kommt die Tradition des "Performance Coach", dabei geht es um Leistungsoptimierung. Demzufolge scheinen diese Experten oft deutlich näher am Trainerberuf. Beide Disziplinen werden übrigens gerne verwechselt, viele Trainer stellen sich Ihnen als Coach vor.

Übrigens: Ein seriöser Coach wird souverän zu seinen Grenzen stehen. Wenn Sie fragen, werden Sie erfahren, was er kann, wie gut, wie oft und was er nicht kann. Nötigenfalls wird er Sie an einen Kollegen empfehlen. Ist ein Coaching in Ihrem Fall nicht die richtige Maßnahme, spricht er Alternativen an.

Was Ihr potenzieller Coach während des Gesprächs aufnehmen sollte, ist ausführliche Information über Ihre Veranlassung, zu ihm zu kommen. Er muss ein exzellenter Zuhörer und Fragensteller sein - Respekt sollte da bei Ihnen ankommen. Bedenkzeit für Passung, "Chemie" und ein gutes Gefühl können Sie als selbstverständlich voraussetzen. Ein Vertrag im Vorgespräch kommt nicht in Frage. Sollte das gefordert sein, werden Sie vorsichtig!

 

Feinsieb - Jetzt wird es persönlich. Prüfen Sie Interesse und Offenheit.

 

Einen Vertrag unterschrieben zu haben, bedeutet nicht, den passenden Coach gefunden zu haben, obwohl es in der ersten Coachingsitzung schnell so aussehen kann. In der ersten Sitzung geht es um Zielklärung, so präzise und konkret wie möglich. Eine schnelle und leichte Sache ist das nicht. Es kann durchaus irritierend sein, wenn Ihr Coach hartnäckige Fragen stellt, um zu spüren, wo Ihr Thema und Ihre Ziele wirklich anzusiedeln sind und wie sie sich an konkretem Verhalten "merken" lassen - jetzt und später, bei Ihnen selbst und bei anderen. Gerade dann sind Sie beide auf dem besten Weg. Fast immer wissen Sie sehr genau, was Sie an Ihrer jetzigen Situation nicht mehr wollen, weniger genau, was Sie zukünftig stattdessen wollen. Herauszufinden, wodurch Sie das bis jetzt Gehabte ersetzen können, ist Merkmal guter Zielklärung. Ein wirksamer Coach sollte darin Meister sein.

Ein guter Coach wird Fragen stellen, die nicht nur beruhigen oder rasch Lösung in Aussicht stellen, geschweige denn die wundersame Veränderung eines ganzen Lebens. Im Gegenteil, er wird Sie durchaus darauf hinweisen, dass Sie Veränderung wirklich wollen und selbst erarbeiten müssen. Er könnte Sie damit vertraut machen, dass das Kommende irritieren, manchmal auch etwas Angst machen kann. Sein Zweck ist nicht, Ihre Sichtweise zu bestätigen. Sollte er das bevorzugt tun oder Ihnen blumige Versprechungen machen, werden Sie hellhörig. Coaching heißt, Sie - wo es darauf ankommt - nicht zu schonen, unter der Voraussetzung, zuvor Ihr Einverständnis einzuholen. Zum Beispiel mit einer Ankündigung provokativer Gesprächsabschnitte oder für Sie außergewöhnlicher professioneller Methoden.

Persönliche Verletzungen und Überheblichkeit sind dabei ethische No-Gos und Warnsignale für Sie. Forschen Sie nach Augenhöhe, Klarheit, ehrlichem Feedback und unbedingtem Respekt. Setzen Sie Konsequenz in der Sache und doch Herzlichkeit auf Augenhöhe voraus. Coaching funktioniert über eine Vertrauensbeziehung. Übrigens - keine Dauerbeziehung. Ein guter Coach zeichnet sich dadurch aus, dass Sie das bearbeitete Thema nach dem Coachingprozess ohne ihn meistern können und er das von Beginn an auch will. All das zeichnet sich in der ersten Sitzung bereits ab. Entscheiden Sie danach, ob Ihr Coach der richtige ist.  

 

(1) dazu informiert "Einführung in das systemische Coaching" von Sonja Radatz, Carl-Auer-Systeme Verlag, Heidelberg 2010.

 

Überschätzte Auswahlkriterien - Gern genannt, wenig relevant.

Referenzen    
Wesentlichstes Kriterium für viele Entscheider. Es repräsentiert das Bedürfnis, sicher und gut zu entscheiden. Eine persönlich gegebene Referenz kann dabei gute Dienste leisten. Allerdings verlangt das, um wirklich von Wert zu sein, ein Maß an Offenheit, das Auftraggeber oder Klienten selten leisten möchten. Daher listen die meisten Coaches Marken oder "Kundenstimmen" auf ihren Websites, die faktisch keine Rückschlüsse auf die Qualität ihrer Arbeit  zulassen.  
identische Branche 
ähnlicher  Karriereweg
gleiche  Erfahrungen
gleiches  Geschlecht 




Die Beliebtheit dieser Kriterien zeigt das (nachgewiesene) Bedürfnis der Suchenden nach Ähnlichkeit, steht jedoch im Widerspruch dazu, auf welche Weise professionelles Coaching seine Ergebnisse erzielt. Coaching muss ein Mehr und Anders an Perspektiven und Handlungsoptionen für den Klienten erreichen. Statt um Ähnlichkeit, muss es um "Feldkompetenz" gehen (s.o.).   
namhaftes     Beratungsunternehmen  






Die Coach-Suche bei namhaften Beratungsunternehmen resultiert aus einer Mischung aus beiden schon erwähnten Entscheiderbedürfnissen. Die Struktur dieser Unternehmen ähnelt zumeist der Struktur des auftraggebenden Unternehmens oder der klingende Name verheißt Qualität und Sicherheit. De facto jedoch arbeiten viele Coaches freiberuflich für namhafte Unternehmen. Sie tun dies dort oft ebenso in Eigenregie wie für sich selbst. Auch wenn Unternehmen standardisierte Auswahlprozesse für Coaches etabliert haben, sind sie nicht in der Lage, Passung und Verlauf eines Coachingprozesses zu prognostizieren oder zu garantieren, denn das würde voraussetzen, dass Coaching nicht der aus sich selbst entstehende, spontane und interaktive Prozess der Beteiligten sein dürfte, als der er definiert ist. Ein einseitiger standardisierter Einfluss des Coaches ist nicht möglich. Evaluation erfolgt im Coaching über Feedback der Klienten und Auftraggeber, Messbarkeit ist weder unter großem noch unter kleinem Namen erreicht. Große Beratungsunternehmen verpflichten Coaches umsatzorientiert und kostensparend - ob als Freelancer oder angestellt. Es ist also durchaus wahrscheinlich, dass Sie exzellente, engagierte und sehr erfolgreiche Coaches auch außerhalb dieses Kontextes finden.